Denk- und Aktionslabor StadtLand

Lara D.

38

Die Stadt Luckenwalde in Brandenburg sieht sich vor grundlegende Herausforderungen gestellt, die viele ostdeutsche Industriestädte seit 1989 bewegen: Der Strukturwandel als Herausforderung für Gesellschaft und Wirtschaft; sozialräumliche Probleme aufgrund des demografischen Wandels sowie jahrelange Bevölkerungsschrumpfung; Leerstand und Perspektivlosigkeit von alten Industriebauten und ein wachsender politischer Einfluss der AfD. Als Jugendliche*r oder junge*r Erwachsene*r gibt es in Luckenwalde wenig, was dich nach der Schule vor Ort halten kann. Die Konsequenz ist, dass junge Menschen sich für ein Studium oder eine Ausbildung in der Großstadt entscheiden. Darunter leidet die kulturelle Landschaft der Stadt. Luckenwalde ist Teil der Metropolregion Berlin-Brandenburg sowie Mitglied des Städtekranz Berlin-Brandenburg und somit regionaler Wachstumsschwerpunkt. Auch wenn Luckenwalde von dieser wirtschaftlichen Entwicklungsperspektive profitiert, handelt es sich um eine sehr einseitige Dynamik, deren Mittelpunkt die Metropole Berlin ist. Es wird aber nie darüber gesprochen, wie Großstädte von Klein- und Mittelstädten lernen können und welches Innovationspotential diese Räume bieten. Klein- und Mittelstädte werden in Zukunftsvisionen unsichtbar und abhängig gemacht. Wir gründen ein studentisches Reallabor, vor Ort um dieses Innovationspotential zu bündeln, sichtbar zu machen und uns mit der Zivilgesellschaft über Zukunftsvisionen aus und für Luckenwalde zu unterhalten.

Beschreibung

Das Denk- und Aktionslabor StadtLand

Was sind aktuelle Herausforderungen und Perspektiven von Klein- und Mittelstädten in Deutschland? Wie positionieren sich diese Städte in Metropolregionen angesichts anhaltender Urbanisierungs- und Migrationsprozesse sowie wirtschaftlichem Strukturwandel - und können Studierende in diesen Räumen selbstbestimmt, unmittelbar und auf Augenhöhe forschen? Diesen Fragen widmet sich die Projektwerkstatt "Denk- und Aktionslabor Stadt|Land" der TU Berlin in einem eigens gegründeten studentischen Reallabor in der Kreisstadt Luckenwalde in Brandenburg.

Im akademischen Diskurs wird das Rurale oft als Negierung des Urbanen kommuniziert: Land ist da, wo Stadt nicht ist. Der Begriff des Ländlichen bleibt so faktisch inhaltsleer. Diese Binarität möchte das Denk- und Aktionslabor Stadt|Land, angesiedelt in der brandenburgischen Mittelstadt Luckenwalde, aufbrechen, um aus der klein- und mittelstädtischen Perspektive selbst eine Sensibilität für diesen Raum zu gewinnen.
Das Denk- und Aktionslabor positioniert sich dafür räumlich als Ableger der TU in Luckenwalde. Wir nutzen den wissenschaftlichen Kontext, aber schaufeln uns Freiraum frei, um in Laborform mit Lehrformaten zu experimentieren. Die starke Vernetzung vor Ort trägt dazu bei, Barrieren zwischen wissenschaftlichem und erforschtem Raum abzubauen und reduziert im selben Zug die gefühlte Stadt-Land-Distanz. Sowohl die räumliche Positionierung als auch das ungewöhnliche Lehrformat ermöglichen ein Ausbrechen aus der Statik und Formalität der studentischen Arbeit an Hochschulen.
Das Denk- und Aktionslabor arbeitet mit Netzwerkpartner*innen vor Ort zusammen. Durch regelmäßige Öffentlichkeitsveranstaltungen schaffen wir Niedrigschwelligkeit für den Austausch mit der Bevölkerung und treten aus unserem Experimentier-Raum heraus. Das kann im Rahmen eines Sommerfests, einer Info-Veranstaltung, einer räumlichen Intervention oder einer Konferenz geschehen, die jeweils unterschiedliche Zwecke im Rahmen unserer Arbeit erfüllen, aber alle dasselbe Ziel verfolgen: Einen Dialog zu schaffen und uns in der Stadtöffentlichkeit als Akteur zu positionieren.

Aktuell steht das Denk- und Aktionslabor am Anfang seiner Arbeit. Im ersten Semester des DAL machten wir eine Bestandsaufnahme vor Ort. Drei Projektgruppen forschten zu den Themen Jugendkultur - Braucht Luckenwalde einen Club?, Nachnutzungsperspektiven von Leerstand sowie der Rolle öffentlicher Räume in der Stadt. Im Verlauf der folgenden drei Semester filtern wir in Zusammenarbeit mit der Stadt und zivilgesellschaftlichen Akteuren Schwerpunktthemen heraus und versuchen, neue Perspektiven zu gewinnen, die im tatsächlichen Stadtleben Luckenwaldes zum Tragen kommen. Das Denk- und Aktionslabor möchte nicht nur über Luckenwalde reden; es möchte vor Ort aktiv sein und Spuren hinterlassen. Gerade vor dem Hintergrund an ihre Grenzen stoßender Großstädte und wachsender Bevölkerungszahlen rücken Städte im Metropolraum immer mehr in den Fokus. Die Raumkategorien des "Städtischen" und des "Ländlichen" werden dabei neu gefasst; wir leisten dazu einen Beitrag aus studentischer Position. Wir wollen nicht nur zeigen, wie Lehre abseits des universitären Raumes im Austausch mit der Lokalbevölkerung selbstorganisiert gestaltet werden kann, sondern auch, dass so der wichtige Perspektivwechsel in der Erforschung von ländlichen sowie klein- bis mittelstädtischen Räumen erst möglich wird. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass Klein- und Mittelstädte Innovationsräume sind, die nachhaltige Antworten auf die Zukunftsfragen von Großstädten bieten können. 

Warum ist eine Lösung nötig?

Bisherige politische Lösungsansätze zur Bewältigung der Schrumpfung von Klein- und Mittelstädte zwängen diese in eine Konkurrenz zueinander und eine Ausrichtung auf die Entwicklungen der Großstadt. Diese Fokussierung stellen wir in Frage und streben einen Perspektivwechsel an, der das Potential sichtbar macht, was Klein- und Mittelstädte für aktuelle Gesellschaftsfragen bieten. Dabei wirkt das Reallabor als Treffpunkt von Wissenschaft und Teilhabe: Studierende aus Berlin und Brandenburg erarbeiten interdisziplinär Projekte zu Luckenwalde und diskutieren diese mit der Zivilgesellschaft vor Ort. Durch einen engen Draht zur Stadtpolitik und -verwaltung werden die dabei entstehenden Ideen und Visionen weitergegeben und greifbar gemacht.

Welche Ideen hast du, um die Situation zu verbessern?

Wir haben bereits einige Arbeit geleistet: Im Laufe des letzten Semesters haben wir eine Kooperationsvereinbarung mit der TU Berlin und Luckenwalde auf die Beine gestellt; die Stadt stellt uns für die nächsten zwei Jahre Räume zur Verfügung, um einen festen Ort in der Stadt für unsere Arbeit zu haben. Wir erarbeiten im Moment ein Konzept mit dem Bildungsbüro des Landkreises Teltow-Fläming, um das DAL als Bildungsakteur im Landkreis zu positionieren. Ziel ist es, unsere Strukturen ausbauen und unsere Arbeit zu professionalisieren, um eine Verstetigung zu erleichtern.

Wie stellst du sicher, dass deine Lösung nachhaltig ist?

Das Denk- und Aktionslabor StadtLand (DAL) arbeitet an einer Etablierung als fester Akteur in Luckenwalde und hat dafür kostenlose Räume der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen. Von hier aus arbeiten wir mit institutionen der Luckenwalder Kultur, Wirtschaft und Politik sowie der Verwaltung des Landkreises zusammen und denken schon jetzt über gemeinsame Verstetigungsvisionen nach. Unser Ziel ist es, die Teilnehmenden des DAL für Herausforderungen und Perspektiven von Klein- und Mittelstädten zu sensibilisieren. Unsere studentischen Arbeitsergebnisse dokumentieren wir und bündeln diese in einer Publikation, die nach zwei Jahren Arbeit veröffentlicht wird. Den krönenden Abschluss bildet eine studentische Konferenz in Luckenwalde, bei der die Ergebnisse von zwei Jahren Arbeit an die Zivilgesellschaft getragen und mit lokalen Akteuren diskutiert werden.

Über Lara Danyel

Wir, Lara Danyel (24 Jahre) und Mona Beyer (24 Jahre), sind Studentinnen der Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin und haben eigeninitiativ das DAL gegründet. Wir leiten eine studentische Projektwerkstatt an der Universität und fahren für vier Semester mit Studierenden unterschiedlicher Hochschulen und Studiengänge alle zwei Wochen nach Luckenwalde, um vor Ort zu arbeiten, zu diskutieren und zu forschen.

Die Idee überzeugt dich?Stimme jetzt für sie ab und verhilf ihr in die nächste Runde!

38

Du möchtest aktiv an der Idee mitarbeiten?Nimm mit dem Einreicher Kontakt auf!

Mistreiter werden

Weitere Ideen

Kostenkontrolle
Steven Feller

0
Hallo liebe Damen und Herren, viele Menschen haben leider kein hohes Einkommen und müssen daher jeden Euro zweimal umdrehen. Wenn man im Supermarkt einkauft z.B Aldi oder Edeka hat man bei mehrere...
Mehr erfahren ►

greenboatsolutions: Ihr Boot. Unser Antrieb.
Johann Gocht

23
In Berlin und Brandenburg, sowie allen anderen Bundesländern gibt es viele wunderschöne Flüsse und Seen, die im Sommer zum Baden und Boot fahren einladen. Derzeit fahren jedoch 97% der Boote mit ei...
Mehr erfahren ►